Kämpfen macht mir Spaß! Immer noch!

5. Februar 2017

Sebastian Bähr in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ über die Entwicklung des MMA-Sports geschreiben.

Ich komme darin auch ein paar mal zu Wort und beende nebenbei öffentlich meine Sportabstinenz.

„Nach einigen Jahren Pause arbeitet Jesse-Björn Buckler nun daran, wieder ein neues Team aufzustellen. Er hängt an dem Sport, auch wenn viele seiner potenziellen Gegner mittlerweile 20 Jahre jünger sind als er. »Kämpfen macht mir Spaß«, erklärt er…“

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Weniger Blut, mehr Geld
Der härteste Kampfsport der Welt: Mixed Martial Arts bewegt sich zwischen Neonaziszene und großem Geschäft.

Text: Von Sebastian Bähr, erschienen in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ am 03.02.2017.

Ein achteckiger Drahtkäfig, darin zwei Männer: Der eine tanzt leichtfüßig umher, der andere kickt fortwährend mit seinen Füßen, doch die Tritte gehen ins Leere. Der Platz im sogenannten Oktagon ist grell ausgeleuchtet, als sich die Kontrahenten an diesem Dezemberabend in der Berliner Arena am Ostbahnhof gegenüberstehen. Rund 4000 Zuschauer warten gespannt auf eine Eskalation, die Veranstaltungsreihe »We Love MMA« bietet in den nächsten Stunden gleich zwölf Kämpfe an. Der Ringrichter hält sich dezent zurück. Als der Tscheche Jirka Nemecek gegen den Draht gedrängt wird und für einen kurzen Augenblick nicht aufpasst, nutzt Kevin Hangs seine Chance: Er wirft seinen Gegner hart zu Boden und schlägt mit der gepolsterten Faust mehrmals auf dessen Kopf ein. Am Boden ringen dann beide, doch Hangs gelingt es bereits nach wenigen Sekunden, das Bein seines Widersachers in einen Klammergriff zu zwingen. Der Unterlegene verzieht schmerzvoll sein Gesicht und muss nach knapp einer Minute Kampfzeit abklopfen. Der Sieger springt an das Gitter und klopft sich stolz auf die Brust.

Mixed Martial Arts (MMA – Gemischte Kampfkünste) kann für neue Zuschauer recht brutal wirken. Nicht ohne Grund gelten die Auseinandersetzungen als die härtesten in der Kampfsportszene. Es wird geschlagen und getreten, auch Bodenkämpfe sind erlaubt. Die Ursprünge lassen sich zu den sogenannten Vale-Tudo-Wettkämpfen in Brasilien zurückverfolgen. Kampfsportler aus verschiedenen Stilen traten hier seit den 1920er Jahren ohne Schutzausrüstung gegeneinander an, um den Besten unter sich zu bestimmen. 1993 fand in den USA die erste Vale-Tudo-Kampfveranstaltung statt. Wenig später erreichte der damals noch weitgehend unregulierte Vollkontaktsport unter der Bezeichnung »Free Fight« Europa. Einige der professionellen Sportler setzten sich für Faustschützer und das Verbot von bestimmten Angriffen ein. »MMA« war geboren.

Heute wird drei Runden für jeweils fünf Minuten um Punkte, bis zum Knockout oder bis zum Abklopfen gekämpft. Verboten sind Angriffe auf Augen, Kehlkopf, Genitalien und Hinterkopf. Die Kontrahenten können im Käfig auf ein breites Spektrum an Techniken zurückgreifen. Kickboxen, Judo, Muay Thai, Jiu-Jitsu und Ringen gehören zum Fundus der Kämpfer. Ernsthafte Verletzungen erleiden diese dabei regelmäßig, auch wenn das Risiko laut einer Studie der US-amerikanischen Glen Sather Sports Medicine Clinic von 2015 geringer ist als beim Boxen. Zerschundene Körperteile sind auch für den MMA-Kämpfer Jesse-Björn Buckler nichts Ungewöhnliches. Der 40-Jährige gehört zu den Pionieren des Sports in Deutschland. Gebrochene Rippen, mehrfach gebrochene Hände sowie einen Bruch des Augenhöhlenbodens haben sich auch in seiner rund 30 Kämpfe umfassenden Karriere angesammelt. »Wenn Leute sich mit voller Kraft treten oder sich Ellbogen ins Gesicht schlagen, dann geht halt auch mal etwas kaputt«, sagt Buckler mit einem Schulterzucken.

Eine Verletzung führte innerhalb der Szene jedoch kürzlich wieder zu einem Skandal: Bei der Kampfreihe im Dezember in Berlin trat Mustafa Ahmadi an. Der vor anderthalb Jahren nach Deutschland geflüchtete Afghane kassierte im Bodenkampf einen nicht erlaubten Kniestoß an den Kopf und musste im Krankenhaus wegen eines doppelten Kieferbruchs operiert werden. Nach dem Kampf stellte sich heraus, dass Ahmadi auf dem Anmeldebogen sein Geburtsdatum gefälscht hatte und zum Zeitpunkt des Kampfes erst 16 Jahre alt war. Auch wenn er aufgrund der Disqualifikation seines Gegners noch auf dem Weg zum Krankenhaus zum Sieger erklärt wurde, hätte er nicht antreten dürfen, da er noch nicht volljährig war. Der Veranstalter erklärte später, Ahmadi von weiteren Events auszuschließen und zusätzliche Ausweiskontrollen einzuführen.

Nicht nur wegen solcher Vorfälle haftet MMA ein schmuddeliges Image an. Übertriebene Gewalt, eine reaktionäre Inszenierung von Männlichkeit sowie Verbindungen in Neonazikreise sind wiederkehrende Bestandteile der Kritik. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien hielt MMA gar für so unangemessen, dass sie 2010 eine Übertragung von Profiwettkämpfen im deutschen Fernsehen verbot. »Die ersten Veranstaltungen in Berlin waren tatsächlich eher eine unangenehme Mischung«, erinnert sich Jesse-Björn Buckler. »Auch damals gab es schon Fans aus der eher traditionellen Kampfkunstszene – es kamen aber auch Leute aus gewaltaffinen Milieus, also Türsteher, Hooligans, Rotlichtszene und Rocker.« Für Buckler ist das keine wirkliche Überraschung: »Der Kampfsport zieht Leute an, die in ihrem Leben mit körperlicher Gewalt konfrontiert sind.«

Seit den Anfangstagen des Sports hat sich jedoch viel getan. Veranstaltungsreihen wie das bundesweit rotierende »We Love MMA« erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Fachkundigen werden mehr, die Blutdürstigen weniger. »Die Gewaltfans und Schläger sind alle noch da, aber das Publikum ist größer geworden«, sagt Buckler. »Die gehen jetzt in der Menge der Sportfans einfach unter.« Besonders die USA spielten für den Normalisierungsprozess eine wichtige Rolle. Ende 2000 übernahm der dortige Marktführer Ultimate Fighting Championship (UFC) ein umfassendes Regelwerk, das sich heute in großen Teilen der Szene durchgesetzt hat und alle paar Jahre aktualisiert wird. In Deutschland wird die Einhaltung vieler Kämpfe durch die Grappling and Mixed Martial Arts Association e.V. (GAMMA) überwacht. Die veränderte Wahrnehmung des Sports hängt für Buckler auch mit der stärkeren Reglementierung und der gewachsenen Bedeutung des Punktesystems zusammen: »Früher hatte man sich manchmal erst vor dem Turnier über die Regeln geeinigt«, erklärt er. »Mittlerweile bauen die Leute ihre Kämpfe aber viel taktischer auf.« 2014 konnte der amerikanische Marktführer dann auch das deutsche Fernsehübertragungsverbot kippen. Für die Verbände war dies ein wichtiges Anliegen, denn längst war aus MMA ein großes Geschäft geworden: Vergangenes Jahr verkaufte die UFC-Muttergesellschaft Zuffa die Mehrheit ihrer Anteile für vier Milliarden Dollar.

Die deutsche Szene liegt in der Bedeutung im Vergleich immer noch weit zurück, doch auch hier gibt es mittlerweile rund 200 bis 300 aktive Kämpfer. Ein gemeinsamer Dachverband fehlt aber noch. Dies führt zu verschiedenen Problemen: So würden einheitliche Regularien und Lizenzen den Weg in den Mainstream weiter vereinfachen. Andererseits wäre dann auch ein kollektives Vorgehen gegen im Sport aktive Neonazis möglich. Momentan ist dies vor allem von der Einstellung der Veranstalter und Vereine abhängig. Für manche wie Peter Angerer, ein Urgestein der deutschen Kampfsportszene, ist Sport einfach Sport. Mit seinem Shidokan-Verband vertrat er in einer Erklärung 2014 die Position: »Leute, die für Toleranz, Gleichheit, Freiheit und viele weitere schöne Begriffe einstehen, gestehen diese Rechte anderen nicht zu«. Damit forderte er letztlich eine Toleranz für Neonazis, solange diese sich nur sportlich betätigen. So ließ er auch umstrittene Klubs bei sich kämpfen.

»We Love MMA« gilt dagegen als authentisch in dem Bemühen, rechtsradikale Umtriebe nicht nur aus Marketingzwecken, sondern aus Prinzip zu unterbinden. Die Berliner Veranstaltungsreihe »Sprawl and Brawl« rief wiederum im April 2016 Proteste hervor. Die Kritik richtete sich damals gegen den »Athletik Klub Ultra« (AKU) aus Neumünster, der mit mehreren Kämpfern für die Veranstaltung angemeldet war. Auch wenn die vorgesehen Sportler offenbar keinen rechtsradikalen Hintergrund hatten, so galt doch der Betreiber und Vorsitzende des AKU, Tim Bartling, als ehemaliger führender Kopf der Schleswig-Holsteiner Neonaziszene. Laut antifaschistischen Gruppen sollen in seinem Verein auch weiterhin Rechtsradikale geduldet werden. Der Veranstalter lenkte letztlich ein und strich die Kämpfer aus dem Programm. »Sportveranstalter sind zuerst Geschäftsleute«, sagt Jesse-Björn Buckler. »Entsprechend haben die meisten kein Interesse daran, bekannte Neonazis zu buchen und damit schlechte Presse zu riskieren.«

In Leipzig waren es jedoch im August des vergangenen Jahres die Veranstalter der »Imperium Fighting Championship« selbst, die in der Kritik standen. Nach Informationen der Kampagne »Rechte Netzwerke zerschlagen!« handelte es sich bei dem Trainer des gastgebenden »Imperium Fight Teams« um Benjamin Brinsa. Dieser sei ein bekanntes Mitglied der rechtsradikalen Fanszene des 1. FC Lokomotive Leipzig und ein ehemaliges Führungsmitglied der mittlerweile aufgelösten Hooligangruppe »Scenario Lok«, hieß es. Eine Demonstration mit 1000 Teilnehmern protestierte am Austragungsort im linksalternativen Stadtteil Connewitz, mehrere Sponsoren der Veranstaltung konnten vergrault werden. Brinsa galt früher als großes MMA-Talent und schaffte es sogar, bei dem US-Marktführer UFC unter Vertrag zu kommen. Nachdem die amerikanische Organisation 2013 aber auf dessen politische Aktivitäten hingewiesen wurde, war die Karriere schnell wieder vorbei. »Ein deutscher Neonazi in der UFC wäre eine Katastrophe für den Sport gewesen und hätte ein klares Signal in die Naziszene gesendet«, sagt Buckler. Der Berliner MMA-Kämpfer hatte selbst immer wieder rechte Tendenzen in der Kampfsportszene kritisiert.

Nachdem es für Neonazis schwieriger geworden ist, bei professionellen Kampfveranstaltungen öffentlich aufzutreten, setzen sie mittlerweile verstärkt auf szeneinterne Turniere. Das inzwischen verbotene »Spreelichter«-Netzwerk aus Brandenburg organisierte beispielsweise mehrere »Kampfsportturniere des Nationalen Widerstands«. Auch die Vereinigung »Hammerskins« veranstaltete unter dem Namen »Kampf der Nibelungen« seit 2014 an verschiedenen Orten in Deutschland MMA-Turniere. 2016 fand der letzte Wettkampf vermutlich in Dortmund statt, einschlägige rechtsradikale Modemarken traten als Sponsoren auf. In sozialen Netzwerken wird auch für dieses Jahr ein Turnier angekündigt. Die Wettkämpfe werden normalerweise konspirativ geplant und erreichen somit auch kaum jemanden außerhalb der Nazinetzwerke.

Ein Grund, warum MMA bei Neonazis auf Interesse stößt, ist dabei nicht nur sein harter Ruf, sondern vor allem eine Interpretation des Sports, die die Stärke und Selbstoptimierung der meist männlichen Kämpfenden in den Fokus rückt. Die »Imperium Fighting Championship« in Leipzig warb beispielsweise mit martialischen Postern, die vier muskulöse Männer in römischer Gladiatorenbekleidung zeigten. Während die trainierten Kerle dann in Shorts später aufeinander einschlagen, zeigen leicht bekleidete Frauen, ähnlich wie beim Boxen, zwischen den Kämpfen die Nummer der jeweiligen Runde an. »Das ist eine Inszenierung von Körperkapital, männliches, repräsentiert durch Dominanz und weibliches, repräsentiert durch Schönheit«, kritisiert Buckler. Für ihn sei das »zutiefst sexistisch«. Doch auch mit im Blick auf die Geschlechterbilder wird der Sport langsam erwachsen. So findet bei »We Love MMA« regelmäßig auch ein Kampf zwischen Frauen statt. Noch gibt es in Deutschland nur wenige Kämpferinnen, doch Sportlerinnen wie die 29-jährige Daniela Kortmann machen Hoffnung. 2014 gewann sie in Las Vegas die MMA-Amateur-Weltmeisterschaft, im Profibereich holte sie im vergangenen Herbst ihren zweiten Sieg.

Nach einigen Jahren Pause arbeitet Jesse-Björn Buckler nun daran, wieder ein neues Team aufzustellen. Er hängt an dem Sport, auch wenn viele seiner potenziellen Gegner mittlerweile 20 Jahre jünger sind als er. »Kämpfen macht mir Spaß«, erklärt er, doch vermutlich ist es mehr als das. Er denkt kurz nach und sinniert: »Im Kampfsport triffst du auf zwei Arten von Menschen. Die einen haben Spaß daran, andere zu dominieren. Die anderen wollen verhindern, dass jemand sie fremdbestimmen kann.«

Tageszeitung „Neues Deutschland“, 03.02.2017

About Fighting

25. November 2014

aboutfighting
via: www.mmaquotes.blogspot.ca

Gewonnen.(Punkt)

30. Juni 2014

#welovemma

Gewonnen. Auch in zweiter Instanz ist mir der Sieg zugesprochen worden. In der vergangenen Woche haben drei weitere Punktrichter das Urteil anhand des Videomaterials überprüft und mich anschließend als Sieger bestätigt. Ich kann mich trotzdem nicht vorbehaltlos darüber freuen. Zu knapp war dieser Sieg.

Hier die (zu meiner Überraschung) kontrovers diskutierte dritte Runde des Kampfes:

Gewonnen(?)durch Punktrichterentscheidung

11. Juni 2014

„We love MMA 8″ – ist ausgekämpft und ich habe durch die Entscheidung der Punktrichter gewonnen. Trotzdem kann ich mich nicht wirklich über diesen Sieg freuen. Ich bin sehr unglücklich über den Kampfverlauf. Irgendwie habe ich nicht in mein Spiel gefunden und bin genau da gelandet wo ich nicht hinwollte – im Bodenkampf und ans Ende der Kampfzeit.

Weil MMA Kämpfer oft sehr schwer zu Punkten sind, sind Punktrichterentscheidung entsprechend oft umstritten. So ist es auch in diesem Fall. Das Team von meinem Gegner Tobias Thiago Huber hat eine Beschwerde gegen das Urteil eingelegt. In einem Revisionsverfahren, wird das Ergebnis nun zeitnah, durch drei andere Punktrichter überprüft. Es bleibt also spannend!
Wie auch immer das Expertengremium den Kampf werten mag, Tobias Thiago Huber und ich haben uns einen guten, fairen und sehr ausgeglichen Kampf geliefert.

Ich möchte mich bei allen bedanken die mich in der Kampfvorbereitung oder am Kampftag selbst unterstützt haben. Danke an alle, die mit mir gerollt, gerungen und geboxt haben. Insbesondere bei Team „IMAG/Hilti BJJ“ und Coach Frank Burczynski, bei Eike vom Muay Thai-Team „Altes Waschhaus“, bei Jens Puzicha vom „Fenriz Traningszentrum“ – und bei Hedwig vom „Team RZB“! Bei „vehement-mma.com“ bedanke ich mich für die Ausstattung und bei We love MMA für die tolle Veranstaltung!

www.groundandpound.de/mma/mma-deutschland/news/we-love-mma-8-buckler-und-kruschinske-triumphieren

Next Fight

29. Mai 2014

Berlins kleine Kampfsportwelt kennt seit Monaten nur noch ein Thema: das Ultimate Fighting Championship (UFC) kommt in die Stadt! Doch im Schatten des Kampfsport-Megaevents in der O2-World liegt ein für mich viel wichtigeres Sportereignis. Am 7. Juni 2014, nur eine Woche nach der UFC, steigt der nächste Kampfabend von „We Love MMA“. Zum ersten Mal findet die Veranstaltung nicht in der Moabiter Universal Hall, sondern im größeren Tempodrom statt. Im Hauptkampf des Abends treffen der Brazillian JiuJitsu-Spezialist Tobias Thiago Huber und ich aufeinander. Wer dabei sein möchte kauft sich schnell ein Ticket via: We love MMA !
Und weil „an zwei Wochenenden (…) Berlin zur Hauptstadt der Mixed Martial Arts“ wird lohnt sich ein Blick in die TAZ.

Kein Bock!

17. Dezember 2013

Ich schreie (bzw. schreibe) mal wieder heraus, dass ich „Kein Bock auf Nazis“ habe. Dabei sehe ich zwar ziehmlich blass aus, glänzt aber neben den „Toten Hosen“ und schreibe jetzt in mein goldenes Notizbuch, dass man Respekt „VOR“ jemanden hat (oder eben nicht) – aber niemals „FÜR“.

Gebrechlicher Senior

22. September 2013

Den letzten Sommertag des Jahres 2013 habe ich im Dunkel einer Neuköllner Sporthalle verbracht. Beim „16. Internationalen Deutschlandpokal im Allkampf-Pro“ habe ich mir zwar den ersten Platz in der „Senioren“-Klasse erkämpfen können. „Senior“ bezeichnet nach Wikipedia „einen älteren Menschen, einen Menschen im Rentenalter oder Ruheständler“ und solche neigen bekanntlich zur Gebrechlichkeit. Meine rechte Senioren-Hand habe ich mir schon in der ersten Runde, am Ellbogen meines Gegners gebrochen. Das war zwar ärgerlich und schmerzhaft, aber eigentlich halb so schlimm. Ich konnte schliesslich auch einhändig auf das Sigertreppchen steigen.
Viel schlimmer war, dass ich wegen der Verletzung, einen für den 6.Oktober 2013 angesetzten, Profight absagen müsste. Die Premiere der neuen Veranstaltungsreihe „Roundhouse“ fand also leider ohne mich statt:

„Kurzfristige Änderungen im Programm sind immer schade, doch dieser Ausfall ist besonders bedauernswert: Ausgerechnet der Berliner Lokalmatador Jesse-Björn Buckler kann am 6. Oktober beim Roundhouse-Debüt im Adagio nicht am 4-Mann-Turnier im Federgewicht teilnehmen. „Wir halten das ärztliche Attest in der einen und das Taschentuch in der anderen Hand“, so die Veranstalter gegenüber Groundandpound.de. „Wir fragen Björn bestimmt beim nächsten Turnier wieder, ob er dabei sein möchte und sagen gute Besserung!“

Groundandpound.de

We love MMA

17. Februar 2013

Fairer als beim Fußball

Den Mixed Martial Arts haftet ein negatives Image an. Dabei ist der Sport technisch anspruchsvoll – und das Publikum in der Universal Hall eher fachkundig als blutdurstig

VON BERND PICKERT

„Ich weiß nicht, warum ich zugesagt habe“, stöhnt Jesse-Björn Buckler. Es sind noch fünf Stunden bis zu seinem Kampf in der ausverkauften Universal Hall in Moabit. Erst zwei Tage zuvor war Buckler gefragt worden, ob er für einen ausgefallenen Kämpfer einspringen könnte. Zwei Tage. An Vorbereitung war nicht mehr zu denken. Aber Buckler ist einer der erfahrensten Kämpfer der „gemischten Kampfkünste“ (Mixed Martial Arts – MMA) in Deutschland, und so konnte er die Bitte seines Trainers Frank Burczynski schlecht abschlagen. Burczynski ist auch der sportliche Leiter dieser vierten Auflage von „We Love MMA“, die am Samstagabend rund 900 ZuschauerInnen nach Moabit zog.

Zwei Tage Vorbereitung

„Ich hab keine Kondi“, klagt Buckler und läuft nervös vor dem Backstagebereich auf und ab, als werde ihm immer klarer, dass er mit der Zusage einen Fehler gemacht hat, je näher der Kampf rückt. Sein Gegner ist der 24-jährige Marc Bockenheimer vom Team MMA Spirit aus Frankfurt am Main, einem der bekanntesten und erfolgreichsten Teams in Deutschland. Bockenheimer, derzeit in einer Ausbildung zum Physiotherapeuten, hat als Kind mit Judo seine Kampfsportkarriere begonnen. Dort brachte er es bis zum Schwarzgurt, fing mit 14 an, auch Karate zu trainieren, bestritt Wettkämpfe auch im Kickboxen. Für einen so vielseitigen Kämpfer liegt der Sprung zum MMA nahe, das all diese Disziplinen kombiniert. Es ist die Kombination bekannter Kampfsportarten, die MMA aufregend und technisch anspruchsvoll macht.

Techniken etwa aus dem Boxen, Kickboxen, Karate, Muay Thai, Judo, Jiu-Jitsu und Ringen können verwandt werden. Verboten sind Angriffe auf die Augen, den Kehlkopf und die Genitalien sowie Schläge oder Würfe auf Nacken oder Hinterkopf. Auch am Boden darf weiter geschlagen werden, lediglich Tritte oder Kniestöße zum Kopf sind am Boden verboten. Ein Kampf endet entweder durch Punktrichterentscheidung, wobei das Wertungssystem dem des Boxen ähnelt, durch K.O., Abbruch durch den Ringrichter oder durch Aufgabe. Vor Jahren noch als „Free Fight“ bekannt und mit dem Nimbus der regellosen Hinterzimmerschlägerei behaftet, wird der MMA-Sport weltweit in den letzten Jahren immer populärer, auch in Deutschland. Die Universal Hall ist schon seit fast drei Monaten ausverkauft. Das Publikum ist bunt gemischt. 80 Prozent der BesucherInnen sind Männer, vielen sieht man an, dass sie selbst aktiv Kampfsport betreiben. Und man merkt an den Reaktionen der Menge auf die Kämpfe, dass hier fachkundige Zuschauer beisammen ist. Denn es braucht ein wenig Schulung, um erkennen und bewerten zu können, was genau im Bodenkampf eigentlich passiert, wenn beide Kämpfer um Positionen ringen und durch die ganze Halle die Anweisungen aus einer der Ecken zu hören sind, die dann ungefähr so klingen: „Ja, jetzt die Schulter nach rechts, dann greifst du mit der linken Hand seinen Unterarm, schiebst das Bein rüber und richtest dich auf, aber nicht vergessen, die Hüfte zu kontrollieren!“

Gelingt es einem Kämpfer, sich gekonnt aus einem Würgegriff zu befreien, ist ihm Szenenapplaus sicher. Es ist ein angenehmes, friedliches Publikum, die Security hat nichts zu tun, weder Kuttenträger noch Nazi-Glatzen sind zu sehen. Bei jedem Fußballspiel ist die Stimmung aggressiver als beim Kampfabend in der Universal Hall. Veranstalter Marcus Wortmeier ist das wichtig. Die Veranstaltungsreihe wurde vor zwei Jahren ins Leben gerufen, um dem schlechten Image des MMA-Sports in Deutschland entgegenzutreten. Das hat sich der Sport zum Teil selbst zuzuschreiben: Beworben als „härteste Kampfsportart der Welt“ und oft betitelt als „Blood Rage“ oder Ähnliches, hatte MMA bald den Ruf des menschlichen Hahnenkampfs weg, wo sich zwei Menschen im Käfig unter dem Johlen der blutdürstigen Menge die Köpfe einschlagen, bis einer nicht mehr aufsteht.

Das hat mit der Realität wenig zu tun, ist aber mächtig. Wortmeier merkt das: Er würde gern in eine größere Halle umziehen, doch die Hallenbetreiber winken ab. In Stuttgart veranstaltete der Kämpfer und Trainer Alan Omer am Samstag eine Benefizgala: Die Spenden sollten einem Caritas-Jugendprojekt zugute kommen – die Caritas lehnte ab, man wolle damit nichts zu tun haben. Aber das Bild des MMA ändert sich langsam. Selbst in der Bild, die noch vor Jahresfrist MMA-Veranstaltungen als „Blutboxen“ denunziert hatte, fand sich in der vergangenen Woche ein durchaus wohlwollendes Porträt einer Kämpferin, der Berliner Kurier schrieb eine Doppelseite über den jungen Berliner Kämpfer Adrian Ruf, auch das RBB-Fernsehen ist in der Halle, am Dienstag soll ein Beitrag im ARD-Mittagsmagazin gesendet werden. Das sind Chancen, die Wortmeier nicht ungenutzt lassen will, und so weist Matchmaker Frank Burczynski in der Regelbesprechung noch einmal alle Kämpfer darauf hin, dass fairer sportlicher Umgang Pflicht ist.

RBB filmt unfairen Auftritt

Umso größer ist das Entsetzen der Veranstalter, als das gleich beim ersten Kampf nicht klappt. Adrian Ruf gelingt es in der ersten Runde, seinen Gegner Nasrat Haqparast vom Hamburger Team des MMA-Veteranen Ismail Cetinkaya mit einem Triangel-Choke zu besiegen. Doch statt, wie allgemein üblich und bei allen anderen Kämpfen auch an diesem Abend gezeigt, dem Sieger zu applaudieren und sich nach dem Kampf herzlich zu umarmen, will Haqparast auf Ruf losgehen, verweigert den Handshake und schimpft stattdessen lauthals herum. Das Publikum quittiert das unsportliche Verhalten mit Pfiffen und Buhrufen – aber ausgerechnet bei diesem Kampf ist der RBB noch da.

Jesse-Björn Bucklers Kampf ist der vorletzte des Abends. Von den anderen Kämpfen hat er kaum etwas mitbekommen, er hat sich vorbereitet, hat sich im Backstagebereich aufgewärmt. Aber schon seine Körpersprache zeigt, dass er an diesem Abend nicht an einen Sieg glaubt. In der ersten Runde wird er von Bockenheimer klar dominiert. Der Frankfurter landet die klareren Treffer, auch am Boden kann er den Kampfverlauf bestimmen. „Wenn meine Ecke nicht so auf mich eingeredet hätte, hätte ich nach der ersten Runde aufgegeben“, sagt Buckler nach dem Kampf. Aber er macht weiter, übersteht auch die zweite Runde, ohne großen Schaden davonzutragen. Nur mit dem Gewinnen klappt es nicht. Bockenheimer siegt einstimmig nach Punkten, und beide Kämpfer erhalten viel Applaus.“

TAZ Berlin vom 17.12.2012

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Ps: Ich danke meinen Sponsoren 8 Weapons – Traditional Muay Thai und Vehement MMA – Vegan and Organic Fightwear für ihre Untertützung!

Respect FC 6 – Gewonnen!

18. Oktober 2011

MMAplanet | Respect FC 6 from Peter Huting on Vimeo.

Yeah, cooooles Event! Hatte einen guten Fight! „Im Federgewicht lieferten sich der Berliner Veteran Jesse-Björn Buckler und der Ratinger Kamil Sauter einen Kampf, bei dem der vorbildliche sportliche Respekt der beiden voreinander mehrmals deutlich wurde. Sauter versuchte seine körperlichen Vorteile umzumünzen und punktete mehrfach mit schönen Schlägen, denen der Berliner vor allem seinen zielsicheren linken Tritt entgegensetzte. Im zweiten Durchgang gelang es Buckler dann, Sauter am Boden zu fixieren und dort mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe zu zwingen.“ schreibt Ulrich Huppertz – Sonntag, 18. September 2011

Ich danke den Sponsoren „Phantom MMA“ und „Ecko Unltd.“ für ihre Unterstützung!

Countdown to Respect 6

4. September 2011

Björn Brig vom Filmprojekt unlike-u hat mich bei der Vorbereitung für „Respect FC 6″ mit der Kamera begleitet.

Merkwürdige Melange

2. Dezember 2010

Männermagazine haben zurecht einen schlechten Ruf und dass nicht nur bei Gender-Problematik Sensibilisierten. Das Hamburger „Trip Magazin“ ist so ein Männerblatt. Laut Verlagsangaben ist es sogar das „meinungsbildende Magazin der jungen Generation in Brasilien“. Die Meinungsbildung im Männer-Trip funktioniert pornofrei, aber mit nackten Frauen, mit nutzlosen Lifestyletips, mit öden Autotexten und merkwürdigen Reprotagen. Kurzum: irgendwo zwischen Neon und Playboy versucht sich das Trip-Magazin es als „etwas zielloses Potpourri aus Copacabane-Girls und Freak-Storys“ (Spiegel Online). Das Ganze mag sogar einem Hauch besser als die direkte Konkurrenz sein, interessant ist trotzdem nicht.

Warum ich jetzt hier über das Trip schreibe? In der Dezember Ausgabe gibt es eine sehr schön layoutete „Freak-Story“. Der Freak in einer „eine(r) merkwürdige(n) Melange aus Fairness und Brutalität“, bin ich.

„Mit Händen und Würgen“

(…) Deshalb ist Free Fight auch nichts für tumbe Ghetto-Schläger, es geht vielmehr darum, für jede Situation im Kampf die richtige Technik anzuwenden, es geht auch um Taktik und Strategie. Ein bisschen wie beim Schach: vorausschauend kämpfen, die Aktionen des Gegners erahnen und darauf reagieren. Die Jungs fürs Grobe, also Möchtegern-Rambos, bleiben lieber auf der Straße. Man muss was im Kopf haben für dieses Hobby. Buckler und seine Vereinskameraden trainieren jeden Tag im Kampfsportstudio IMAG, um zu den Besten zu gehören; rund 5000 Menschen – fast nur Männer – betreiben in Deutschland den Free Fight. Es ist ein Nischensport für alle, die neue Grenzen testen wollen und für die Adrenalin-Kicks zum Leben gehören wie essen und trinken. Eine merkwürdige Melange aus Fairness und Brutalität. (…)

Neue Interviews

31. August 2010

In der Ausgabe des Kampfsportmagazins „GroundandPound-Journal“ Nr. 6 findet sich ein Interview mit mir auf den Seiten 18,19 und 20:
GnP Journal oder Interview als pdf.

Ein Interview zum Themenkomplex „Sport, Gewalt und Gesellschaft“ habe ich mit der ideologiekritischen Zeitschrift „bonjour tristesse“ aus Halle geführt. Interview in der „bonjourtristesse“