Just sparring around…

26. Mai 2010

Thanx @ Vanessa für den Clip!

Respect n´Feathers

14. Mai 2010

Man mag es mir nicht ansehen aber ich bin jetzt offiziell ein Federgewicht. Trotz meines triumphalen Sieges über meinen alten Erzfeind, die Personenwaage, bin ich nach meinen Kampf am 24.April – euphemistisch formuliert – nur zum zweiten Sieger erklärt worden. Im Ring des „Respect! Fighting Championships“ lieferte ich 3 Runden lang einen guten Kampf, konnte aber nicht die Punktrichter für mich begeistern:

„Der Berliner Veteran Jesse-Björn Buckler zeigte in seinem Kampf gegen den kleinen, aber ungemein bulligen Hamburger Judoka Andreas Bernhard, dass seine Zukunft im Federgewicht liegt. Vom Abkochen wenig gezeichnet, zeigte Buckler in der ersten Runde sehr schöne Schlag- und Trittkombos, die er meist mit platzierten Knien abschloss. Bernhard gelang es nicht, die Reichweitennachteile zu überwinden und er verstrickte sich in erfolglose Schlagwechsel. Runde zwei begann er aber mit einem Ausrufezeichen: Sofort stürmte er mit Schlägen auf den Berliner zu, um zu clinchen und ihn zu Boden zu bringen. In Windeseile erkämpfte er sich die Side Mount und begann, Buckler mit Knien zum Kopf zu attackieren.


Im Verlauf der Runde konnte Buckler im Stand erneut punkten, doch wendete Bernhard den Spieß kurz vor Schluss und warf seinen Gegner mit einem schönen Judowurf auf die Matte. In der entscheidenden dritten Runde setzte Buckler erneut schöne Tritte und Kniestöße, während Bernhard das Tempo nach zwei Minuten sichtlich anzog. Er clinchte, und verteidigte einen Guillotine Choke des Berliners, um diesen aus der Front Headlock-Position erneut mit Knien zum Kopf zu attackieren. Buckler kassierte über zwei Minuten lang Knie, die nicht wirklich hohen Schaden anrichteten, sich aber in Punkte ummünzten. Im Gespräch mit Ground and Pound gab Buckler später zu Protokoll, dass er sich zu dem Zeitpunkt nach Punkten vorne gesehen hatte und daher die eher leichten Knie in Kauf nahm. Ein Kampfentscheidender Fehler: Bernhard gewann nach Ablauf der Kampfzeit die Majority Decision (2-0).“ ( Ulrich Huppertz vom Internetmagazin „Ground and Pound“)

Thanx!
Ich möchte mich herzlich bei meinen Teamkollegen und Trainern: Frank, Eike, Kaan, Hazim und Daniel für ihre Unterstützung in Essen bedanken. Bedanken möchte ich mich auch bei Less vom Team „Sparta!“ für die Betreuung und bei Ben und Sebastian für die super Veranstaltung!!!

Vollkörperkontaktschachspiel

10. April 2010

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Der Freitag“ (7.April.2010) findet sich ein Interview mit mir zur irrigen Verquickung von Mixed Martial Arts, Gewaltverherrlichung und Rechtsextremismus. Click!

Der Freitag: Immer wieder wird gefordert, Ihren Sport zu verbieten. Er verstoße gegen die Menschenwürde.

Jesse-Björn Buckler: Das ist ärgerlich. Da reden Leute von einer ­Sache, von der sie keine Ahnung haben. Viele wissen gar nicht, was wir da tun.

Was tun Sie denn da?

Der Sport, um den es geht, ist ein hochkomplexer, hybrider Voll­kontaktkampfsport, der sich aus verschiedenen Sportarten zusammensetzt: Boxen, Ringen, Schlag- und Wurftechniken, die mit dem Taekwondo und dem Judo verwandt sind. Alles olympische Sportarten. Warum nun die Kombination solcher Sportarten ­jugendgefährdend und schädlich sein soll, ist mir schleierhaft.

Ein Vorwurf ist Unsportlichkeit.

Das ist schlicht falsch! Immer wieder wird behauptet, dass im MMA die für Sport charakteristischen Wertvorstellungen der Fairness, der Achtung des Gegenübers, der Chancengleichheit und der Unverletzlichkeit der Person missachtet werden. Aber mit der gleichen, ­Argumentation müsste auch jeder Boxkampf geächtet werden.

Es heißt, Sie schlagen sich halbtot, ohne Regeln.

Unser Sport ist nicht regellos! Aber fragen Sie mich bitte nicht weiter nach diesen Verbotsforderungen, ich verfolge diese Debatte nur am Rande. Sie interessiert mich nicht.

Dennoch: Wie groß ist die Verletzungsgefahr wirklich?

Wir gehen vorbereitet in den Ring oder Käfig. Es ist ja nicht so, dass da untrainierte Leute gegenein­ander antreten. Aber natürlich gibt es in Vollkontaktsportarten ein großes Verletzungsrisiko.

Was finden Sie dann so ­faszinierend am Freefight?

Ich kämpfe gerne. Außerdem ­glaube ich, dass ich darin auch ganz gut bin.

Das ist noch keine Erklärung.

Mich begeistert die versteckte, technische Raffinesse des Sports. Jede Woche lerne ich eine neue Technik, einen anderen Weg, wie ich eine schon bekannte Technik anwenden oder kontern kann. Jeder Kampf und jeder Gegner erfordert sorgfältige strategische Planung und Vorbereitung. Auch wenn es anders aussieht: Das Ganze ähnelt eher einem Schachspiel als einer wilden Schlägerei.

Hassen Sie Ihren Gegner?

Nein, der hat mir ja nichts Böses getan. Es ist für mich ein Gegner, auf den ich mich gut vorbereitet habe und gegen den ich gewinnen will. Da gibt es keine große Emotion. Ich gehe sehr abgeklärt in Kämpfe.

Kann man diesen Sport wirklich ohne Hass betreiben?

Es gibt Leute, die können nur kämpfen, wenn sie ihren Gegner hassen. Das ist bei mir definitiv nicht der Fall. Es ist doch alles eh schon so kompliziert. Manchmal steht man Leuten gegenüber, die man kennt und auch mag. Mein Ziel ist nicht, dem Gegner weh zu tun, sondern zu gewinnen.

Aber das Publikum fordert doch Hass und Blutvergießen!

Das glaube ich nicht. Natürlich gibt es immer Zuschauer, die aus Sensationslust Kämpfe gucken, aber die sind nicht die Mehrheit. Ich glaube, man kann das Publikum bei MMA mit dem Publikum beim Profiboxen vergleichen.

MMA haben den Ruf, dass sie überwiegend Neonazis anziehen.

Das Wort „überwiegend“ stimmt nicht. Generell kann man sagen, dass Vollkontaktsportarten besonders attraktiv für Menschen sind, in deren Alltag Gewalt und körperliches Durchsetzungsvermögen eine wichtige Rolle spielt.

Sie meinen die sogenannte Türsteherszene?

Manchmal eben auch Leute aus kriminellen Milieus oder Polizeibeamte, Soldaten und so. Die Zusammensetzung des Publikums beim MMA, beim Thai-Boxen oder beim Boxen unterscheidet sich in diesem Punkt nicht sonderlich. Ein großer Teil des Publikums ist aber vom Sport begeistert, ohne soziale Auffälligkeiten.

Sie meinen, es gibt keine Nähe zum Rechtsextremismus?

Wie gesagt, Kampfsportevents sind besonders attraktiv für – insbesondere – Männer aus Milieus mit hoher Gewaltakzeptanz. In bestimmten Gegenden, speziell im Osten, hat sich nun noch ein besonderes soziales Milieu herausgebildet, in dem eine rechte Hegemonie existiert und eine weitgehende Akzeptanz solcher Positionen vorhanden ist. Das ist aber kein sportspezifisches Problem, schon gar kein MMA-spezifisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches.

Wie ist das, wenn man als Linker in den Ring geht, und das Publikum ist überwiegend rechtsextrem?

Ich kenne keine Veranstaltung mit überwiegend rechtsextremem Publikum. Es gibt allerdings Veranstaltungen mit einem hohen Anteil an erkennbaren Rechtsextremisten im Publikum – zu diesen Veranstaltungen fahre ich nicht. Das gilt übrigens auch für Ver­anstaltungen, die von der Rocker­szene oder dem Rotlichtmilieu dominiert werden.

Gibt es die oft?

Nein, aber die gab es. Heute sind sie eher die Ausnahme, und es werden auch immer weniger. Je professioneller unser Sport wird, desto weniger hat er mit solchen Milieus zu tun.

Sie sind Antifaschist, zählen sich zur antiautoritären Linken. Und auch wenn sich das MMA-Milieu langsam davon wegbewegt, so ist die Trennung doch nicht voll­zogen. Ich versuche es also noch mal: Was wollen Sie bei denen?

Ich würde meinen Zugang zur Gesellschaft als fundamentalkritisch beschreiben. Daraus mache ich ja auch kein Geheimnis. Aber ich versuche nicht, den Sport für politische Inhalte zu instrumentalisieren. Andererseits ist es aber auch eine Selbstverständlichkeit, dass man auf bestimmten zivilisatorischen Basics besteht: Kein Rassismus, kein Antisemitismus!

Aber die Frage ist, warum Sie freiwillig dahin gehen.

Vergleichen Sie es doch mit dem Boxen: Es gibt Leute, die leben ihre Faszination aus, in dem sie selbst kämpfen. Dann gibt es welche, die trainieren nur. Wieder andere gehen zu Boxveranstaltungen, das genügt ihnen. Und eine letzte, vermutlich die größte Gruppe, lebt ihre Faszination für den Boxsport vor dem Fernseher aus. So ist es beim MMA auch, bloß dass wir eine jüngere und kleinere Sportart sind. Ich finde es faszinierend zu kämpfen – und mache das auch.

Sie sind nicht von der Gewalt ­fasziniert?

Ich finde es sehr wichtig, die Trennungslinie zwischen Gewalt und Sport deutlich zu machen. Auch wenn es auf den ersten Blick ähnlich aussieht, aber ein verbissener und manchmal auch blutiger Kampf im Ring ist etwas anderes als eine Schlägerei auf der Straße. Gewalt ist etwas, das einem aufgezwungen wird, dem man sich nicht entziehen kann. Beim Kampfsport treffen sich hingegen zwei motivierte Freiwillige. Wer das verstanden hat, den fasziniert der Sport und nicht die Verwechslung mit der Gewalt. Im Boxen haben Sie zum Beispiel oft Zuschauer, die den Sport sehr ernst nehmen und mit ihrem Notizblock in die Halle kommen, um mitzupunkten. Die sind ja nicht von der Gewalt fasziniert, sondern vom Sport.

Boxen ist symbolisch extrem aufgeladen, ein Synonym für den nackten Überlebenskampf, ein Sinnbild für die einzige Möglichkeit des sozialen Aufstieg eines Habenichts. Kann man Ähnliches über MMA sagen?

MMA orientiert sich in der ästhetischen Inszenierung klar am Boxen und beinhaltet damit auch allen Unfug, der damit einhergeht. ­Allerdings hat das moderne MMA eine kürzere Geschichte als das Boxen. Der Sport scheint sich noch selbst zu finden. Während dem ­Boxen die ewige „Working Class Heroes“-Legende eingeschrieben ist, ist es beim MMA nicht so einfach. In der Kampfsportwelt ist das Aufkommen der MMA eine echte Revolution gewesen. MMA läutete das Ende der Vertreter der reinen Lehre ein. Nun wird das Brauchbarste aus allen Kampfkünsten ohne Respekt vor irgendeiner Traditions- oder Verbandslinie adaptiert. Gute Kämpfer müssen heute hochflexibel und vielseitig sein. Trainiert wird interdisziplinär, die Techniken sind schnörkellos, auf das Wesentliche konzentriert und den jeweiligen Stärken und Schwächen des einzelnen Sportlers oder der einzelnen Sportlerin angepasst.

Gehört nicht zur symbolischen Aufladung des MMA, zumindest in Deutschland, die politische, die rechtsextreme Konnotierung?

Nein. Aber diese falsche Konnotierung wird von einigen Medien und MMA-Gegnern immer wieder gebetsmühlenartig behauptet.

Würden Sie gegen einen Neonazi antreten?

Nein. MMA ist Sport. Zwischen mir und einem Nazi kann es keine sportliche Ebene der Auseinandersetzung geben.

Steigen Sie auch mit keinem Vergewaltiger in den Ring, keinem Mörder?

Was soll ich darauf antworten? Haben Sie jemals in Ihrem Sportjournalistenleben einem Fußballer so eine Frage gestellt?

Sie haben recht. Andere Frage: Was sagen eigentlich Ihre Freunde zu Ihrem Nebenberuf?

Ich wohne mit Sportkollegen zusammen, da reden wir meist über sportliche Dinge. Ansonsten: Wenn ich wie derzeit in der Vor­bereitung auf einen Kampf bin, tauche ich eh ab. Ich bin zweimal täglich im Training, ich muss viel ausruhen dazwischen. Da bleiben soziale Kontakte leider auf der Strecke. Abends in die Kneipe gehe ich dann nie. Ich gehe auch selten auf Partys.

Sie arbeiten für die linke ­Wochenzeitung Jungle World. Wenn Sie mit gebrochener Nase oder blauem Auge in den Verlag kommen, was sagen Ihre ­Kollegen?

Naja, ich breche mir eigentlich nicht so oft die Nase, aber hin und wieder hab ich tatsächlich mal ein blaues Auge. Die häufigste Reaktion ist dann Unverständnis: Warum machst du denn so was? Gibt’s keine anderen Sportarten? Aber andere Sportarten würden mir nicht soviel Spaß machen.

Sie sind über 30. Wie lange wollen Sie das noch machen?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich bin noch fit und werde stetig besser. In Deutschland bin ich in meiner Gewichtsklasse derzeit die Nummer drei, vielleicht sogar Nummer zwei, und es macht noch Spaß.

Kann man als MMA-Profi reich werden?

Nein, man kann nicht mal davon leben. Zumindest nicht in Deutschland. Der Sport steckt hier noch in den Kinderschuhen, es gibt keine Großsponsoren oder ähnliches. Ich habe noch nie mehr als 1.000 Euro für einen Kampf bekommen. Selbst bei den großen UFC-Veranstaltungen gibt es für die Leute, die Vorkämpfe machen und nicht ins Fernsehen kommen, nur armselige 3.000 Dollar zuzüglich Spesen. Davon gehen aber die Steuern ab, der Medical Check muss davon bezahlt werden, dann natürlich noch die Trainer, Studio und so weiter. Und so oft kämpfen, dass man auf einen vertretbaren Monatsschnitt kommt, kann man nicht – körperlich nicht und auch vom Kopf her nicht.

Interview: Martin Krauß
Fotos: Torben Hönke
Ausstattung: *ecko unltd. und Intenzion MMA

Next Fight: Canceled! NIX XFC

24. November 2009

(Text im Clip:) „Ich bin weder gewalttätig, noch ein Draufgänger oder ein Streitsüchtiger. Ich schlage mich nicht auf der Strasse und nicht in Kneipen. Ich trainiere Kickboxen, Judo, Muay Thai, Ringen und Brazilian Jiu-Jitsu. Meine Disziplin ist eine Kombination aus verschiedenen Kampfsportarten und Kampfkünsten. In Frankreich behindert man die Weiterentwicklung von Mixed Martial Arts.“

… doch nicht nur in Frankreich der Sport durch absurde, behördliche Auflagen behindert. In Deutschland ist plötzlich einigen Sportminister aufgefallen dass Boxen, Judo, Ringen, Jiu-Jitsu und Kickboxen für sich genommen, zwar ehrenwerte Kampfsportarten sind – eine Kombination daraus aber zutiefst unsportlich und geradezu gesellschaftsschädigend ist. Mit Halbwissen und Ressentiments haben sich die Sportminister der Länder auf ihrer 33.Fachministerkonferenz im November darauf verständigt, so genannte „Käfig-Kämpfe“ ganz schnell zu ächten und irgendwann mal ein Verbot hinterher zu schieben. Die Kampfhandlungen im MMA hätten einen zutiefst unsportlichen Charakter. Mixed Martial Arts würde nämlich die für Sport charakteristischen und allgemein zugrunde liegenden Wertvorstellungen der Fairness, der Achtung des Gegenübers, der Chancengleichheit und der Unverletzlichkeit der Person missachten. Das mit dem gleichen, an den Haaren herbeigezogenen Scheinargumenten jede Boxen-Veranstaltung geächtet werden müsste scheint niemanden dabei aufgefallen zu sein.

Das erste Opfer dieser Anti-MMA Politik, mit blödsinnigen Begründungen, ist die XFC 10 (Xtreme Fighting Championships) in Berlin. Die MMA-Großveranstaltung, bei der ich auch kämpfen sollte, ist aufgrund der Intervention des Innensenators Ehrhart Körting abgesagt worden.

Nun steh ich da…bin ziemlich enttäuscht und hoffe einfach mal darauf dass ich im Januar oder Februar die Gelegenheit bekomme wieder zu kämpfen.

Next Fight: XFC 10

23. Oktober 2009

Xtreme Fighting Championships 10: Europe vs. America

Mein wichtigster Kampf steht an! Am 12. Dezember 2009 kämpfe ich in der Max Schmeling Halle, bei der größen MMA-Veranstaltung die es in Berlin je gegeben hat. Mein Gegner ist der Jiu-Jitsu Experten Frank „Knuckles“ Santore aus Orlando/Florida. Wie immer freue ich mich über lautstarke unterstützung!


XFC10 Trailer – MyVideo

2 Minuten

10. September 2009

Ein kurzes highlight-reel von meinen letzten Kämpfen.

Das Leben ist kein Ponyhof – Ansichten eines Free Fighters

6. April 2007

Marcus Pohl hat ein 30 minütige Reportage fürTV-Sender XXP über MMA in Deutschland mit mir als Protagonisten gedreht. Der Film ist in den Tagen vor der „Ostdeutschen Free Fight Meisterschaft“ in Dresden, 21.Mai 2006 entstanden. Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Was mich etwas ärgert ist dass ich vor der Kamera nichts zum rassistisch motivierten Flaschenwurf auf Mbo sage… das kratzt an meiner politischen Identität.

Jemand hat das ganze auf Youtube gepostet:

Die Doku kann man sich auch HIER herunterladen.
Achtung: fast 200 MB, Zip und AVI.

Was ist MMA?

11. August 2006

Mein Muay Thai ist besser als dein Kung Fu!
Eine kurze Geschichte der Martial Arts und ihrer Weiterentwicklungen.

Porno- und Kung Fu-Filme haben ein gemeinsames Problem. Sie müssen irgendwie eine Geschichte erzählen, obwohl es doch auf etwas ganz anderes ankommt. Während uns im Pornofilm der Schlüsselsatz »Tach, ich bin der Klempner« von der Ödnis der Rahmenhandlung erlöst, nimmt im klassischen Martial-Arts-Film der folgenschwere Satz »Dein Kung Fu ist schlecht!« diese Rolle ein. Ein junger Schüler stellt den Stil einer anderen Kung-Fu-Schule in Frage, und der erleuchtete Meister vom Lang-Lo-Lotusblumen-Tempel auf dem heiligen Berg macht sich auf, um aus allen Zweiflern Kleinholz zu machen.
Was so skurril als Egoproblem in Szene gesetzt wird, ist erstaunlich nahe an der Realität. Mag sein, dass die Geschichte die Geschichte von Klassenkämpfen ist, aber in der Welt der Kampfkunst ist gekränkte Eitelkeit das treibende Prinzip.

Auch Bruce Lee prügelte sich schon auf dem Schulhof gerne mit den größeren Jungs. In seiner Jugend lernte er Kung Fu vom legendären Großmeister Yip Man und schlug sich voller Freude bei »sportliche fairen Kung-Fu-Vergleichskämpfen« auf Hongkongs Hinterhöfen. Im Alter von 18 Jahren hatte er schließlich eine zünftige Klopperei mit jemandem, dessen Papa ein angesehenes Mitglied in einer Verbrecher-Triade war. Naja, zumindest erzählte man sich das so.
Um weiteren Ärger zu vermeiden, ging Bruce Lee lieber schnell in die USA. Dort musste er bei der Begegnung mit Boxern, Ringern und Kickboxern schmerzhaft feststellen, dass sein Kung Fu erhebliche Mängel hatte. Er brach mit dem üblichen Kampfkunst-Dogmatismus und puzzelte seinen eigenen Kampfstil aus 27 anderen Stilen und Systemen zusammen. Auf verschnörkelte, realitätsferne und ineffektive Techniken verzichtete er und arbeitete stattdessen nach einem groben Konzept und mit einer Reihe von Basis- und Folgetechniken. Bruce Lees Patchwork-Stil Jeet Kune Do war ein Quantensprung für die damalige Kampfkunst-Welt.
Wäre er zu dieser Zeit nach Brasilien gekommen, anstatt die Welt mit so dussligen Streifen wie »Der Mann mit der Todeskralle« zu quälen und anschließend zu sterben, dann hätte er dort bestimmt viel Freude mit einer ganzen Dynastie von Kampfsport-Freaks und ihren Rivalen gehabt.

Am Zuckerhut war Kung Fu damals zwar weniger gefragt, doch egomanische Kampfsportrivalitäten gab es auch. So verband die Luta Livre-Aufgabe-Ringer mit den Anhängern des Gracie Jiu-Jutsu eine generationsübergreifende Fehde. Die Familie Gracie stellt seit 1925 die Gralshüter des brasilianischen Jiu-Jutsu. Sie haben den aus Japan kommenden Sport in Brasilien maßgeblich geprägt und zu einer brasilianischen Variante weiterentwickelt; beim Jiu-Jutsu rollt man sich wie beim Luta Livre mit dem Gegner auf der Matte und nötigt ihn mit Würgegriffen, Hebel- oder kunstvollen Schmerztechniken zur Aufgabe.
Wie im trashigen Hongkong-Actionfilm gab es natürlich nur einen Weg, die Streitigkeiten zwischen Luta Livre und den Gracies beizulegen. Beide begegneten sich im Ring, und ein Veranstalter kassierte vom Publikum ordentlich Eintritt. Das Ganze lief unter dem Namen »Vale Tudo« (portugiesisch für: »Alles erlaubt«) und wurde zu einem Riesenerfolg.
Da es um die Frage ging, wer der beste Kämpfer und was der beste Kampfstil sei, luden sich auch Kampfkunstspezialisten anderer Stile ein, und in der Folge traten Ringer, Jiu-Jutsu-Kämpfer, Boxer, Karatekas und Thai-Boxer gegeneinander an.

Die Regeln beim regellosen Kampf waren recht simpel: Es war verboten, den Gegner zu töten, ihn zu beißen, in Augen oder Kehle zu stechen, ihn aus dem Ring zu werfen oder selber aus dem Ring zu flüchten – alles andere aber war erlaubt. Abgesehen von einem Zahn- und einem Unterleibsschutz wurde ohne Schutzbekleidung und ohne Handschuhe gekämpft. Die einzige Möglichkeit, im zuweilen sehr blutigen Vale Tudo zu gewinnen, war es, den Gegner durch Hebeltechniken zur Aufgabe zu zwingen, ihn per Würgegriff einschlafen zu lassen oder K.O. zu kloppen.

Nach brasilianischen Vorbild finden seit Anfang der neunziger Jahre auch in Japan, Russland und Nordamerika Vale-Tudo-Kämpfe unter der Bezeichnung Free Fight statt. Die »Ultimate Fighting Championship« (UFC) in den USA war lange Zeit die bedeutendste dieser Veranstaltungen. Charakteristisch für die UFC ist, dass nicht im Boxring, sondern im Oktogon gekämpft wird – auf einer mit Maschendraht umzäunten achteckigen Kampffläche. Die ersten Veranstaltungen wurden per Pay-TV übertragen und erzielten enorme Einschaltquoten. Die öffentlichen Reaktionen waren jedoch sehr negativ. Man kritisierte die Kämpfe als ekelerregend brutal und offen menschenverachtend. Jugendschützer und Politiker aller Parteien forderten ein schnelles Verbot.
In der Kampfsportszene entfachten die UFC hingegen eine wahre Revolution. Nachdem hunderte von Weltklasse-Kick- und Thai-Boxern in den Armhebeln und Würgegriffen der brasilianischen Jiu-Jutsu-Kämpfer zur Aufgabe gezwungen worden waren, folgte die Neuorientierung. Es entwickelten sich die Mixed Martial Arts (MMA). Hybrid, schnörkellos, auf das Wesentliche konzentriert und den jeweiligen Stärken und Schwächen des Einzelnen angepasst, wird gleichermaßen der Kampf im Stehen und am Boden trainiert. Das Brauchbarste aus allen Kampfkünsten wird ohne Respekt vor irgendeiner Traditions- oder Verbandslinie adaptiert.
Im Free Fight sind die körperlichen, technischen und mentalen Anforderungen an die Sportler größer als in irgendeinem anderen Kampfsport. Gute Kämpfer müssen hoch flexibel und vielseitig sein, sie versuchen, ihren Gegnern jeweils die Kampfdistanz aufzuzwingen, in der sie überlegen sind.
Das Aufkommen dieser Allround-Spezialisten läutete das Ende der Vertreter der reinen Lehre ein. Eine kleine Schicht von Profi-Free-Fightern bildete sich heraus, die mit den Kämpfen ihren Lebensunterhalt verdienen. Auf Druck einiger dieser Profis sind seit Mitte der neunziger Jahre bei den meisten Vale-Tudo-Veranstaltungen Faustschützer und das Verbot von bestimmten Angriffen, die starke Verletzungen nach sich ziehen, zum Standard geworden.

In Japan entstand 1997 die sehr finanzkräftige »Pride Fighting Championship«. Dort verzichtete man auf einen Käfig und ein allzu blutiges Image. Die Serie zog ein großes Publikum an und wurde zum Tummelplatz der jeweils weltbesten Free Fighters. Heutzutage kommen in Japan bis zu 60 000 Zuschauer zu den Kämpfen, während Millionen im Fernsehen und im Internet live das Geschehen verfolgen. Die Sportler werden dort wie Popstars gefeiert und bezahlt. Die gegenwärtig am amüsantesten zu beobachtende Rivalität besteht dort zwischen zwei brasilianischen MMA-Profis. Der Jiu-Jutsu-Experte Ricardo Arona bezweifelte die Echtheit des schwarzen Gürtels im Jiu-Jutsu von Wanderlei Silva, dem amtierenden Mittelgewichts-Champion. Der versprach ihm dafür einen K.O.

Veröffentlicht in der Jungle World, Nummer 04 vom 25. Januar 2006.





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